Universität Salzburg
An der Universität Salzburg untersuchen Prof. Andreas Lang und sein Team, wie Landschaftsprozesse und Sedimentarchive mittelalterliche Umweltveränderungen aufzeichnen. Ihre Arbeit beginnt mit der Identifizierung geeigneter Seenstandorte in Nord-, West- und Mitteleuropa, gefolgt von paarweisen Kernbohrungen, um kontinuierliche Sedimentsequenzen für MEMELAND zu gewinnen. Mithilfe schneller bathymetrischer Vermessungen, Tests zur Sedimentmächtigkeit sowie kontinuierlicher Nesje-Kerner mit 10 cm Durchmesser zusammen mit Uwitec-Schwerkraftlotern gewinnen sie überlappende Kerne, die die Grenzfläche zwischen Schlamm und Wasser einschließen und die oberen 1-3 m Sediment bewahren, welche die letzten zwei Jahrtausende repräsentieren. Jeder Kern wird mit einem vollständigen Barcode-System zur Probenkennzeichnung verarbeitet, um eine konsistente und nachvollziehbare Beprobung vom Feld bis ins Labor sicherzustellen.
Im Zentrum ihrer Forschung steht die Bereitstellung des chronologischen Rückgrats, das notwendig ist, um europäische Kulturgeschichte mithilfe genauer und moderat bis hochpräziser Chronologien mit der Ökodynamik zu verknüpfen. Die Datierung von Sedimenten aus diesem Zeitraum gilt als “notorisch schwierig”, daher verwendet das Team einen mehrmethodischen Modellierungsansatz. Dieser kombiniert die 14C-AMS-Datierung unverbrannter einjähriger Pflanzenmakrofossilien mit kurzlebigen Isotopen (210Pb und 137Cs), sphärischen Kohlenstoffpartikeln, optisch stimulierter Lumineszenz und Bezugspunkten, an denen Tephra oder historische Hochwasserereignisse identifiziert werden können. Diese chronometrischen Ergebnisse werden mithilfe bayesianischer und KI-gestützter Modellierung in Bacon und CSciBox in Alters-Tiefen-Modelle überführt, mit dem Ziel, für die letzten 2.000 Jahre eine Präzision von unter 100 Jahren (2σ) zu erreichen. Altersinversionen offenbaren Phasen starker Erosion im Einzugsgebiet und verknüpfen chronologische Unsicherheiten mit Bodenstörung und der Voralterung von Biomarkern.
Um zu verstehen, wie Sedimente Auswirkungen der Landnutzung widerspiegeln, führt das Salzburger Team außerdem Beprobungen innerhalb der Einzugsgebiete durch, um Bodenprofile sowie kolluviale und alluviale Ablagerungen zu charakterisieren und die Konnektivität der Einzugsgebiete mithilfe eines Klein-Einzugsgebiets-Modellierungsansatzes zu bestimmen. Diese Analysen unterstützen die Interpretation von Erosionsintensität, Sedimenttransport und dem weiteren landschaftlichen Kontext der Kerne.
Insgesamt liefert die Universität Salzburg die wesentlichen Bohrarbeiten, die Charakterisierung der Einzugsgebiete und den präzisen chronologischen Rahmen, die MEMELANDs Rekonstruktion von Umweltveränderungen und landwirtschaftlicher Intensität über die letzten zwei Jahrtausende tragen.